{"news":[{"uid":5197,"title":"Doppeltes Doppelgold in China","teasertext":"Neben vielen anderen beeindruckenden Leistungen kehrten diesen Sommer sowohl die Mathematik- als auch die Wirtschafts-Olympiade mit je zwei Goldmedaillen aus China zur\u00fcck. Wir haben die Teamleiter nach dem Geheimnis ihres Erfolgs gefragt \u2013 und mit ihnen \u00fcber den Wettbewerbsgedanken philosophiert.","short":"F\u00fcr die Schweizer Wissenschafts-Olympiaden war dieser Sommer ein historischer Erfolg. Neben vielen anderen beeindruckenden Leistungen kehrten sowohl die Mathematik- als auch die Wirtschafts-Olympiade mit je zwei Goldmedaillen aus China zur\u00fcck. Als kleines Land \u00fcbertrifft die Schweiz an diesen Wettbewerben alle Erwartungen. Wir haben die Teamleiter nach dem Geheimnis ihres Erfolgs gefragt \u2013 und mit ihnen \u00fcber den Wettbewerbsgedanken philosophiert.","body":"
Maximilian (Wirtschaft): <\/strong>Als Teamleiter halte ich es f\u00fcr \u00e4usserst wichtig, unsere Teilnehmenden zu motivieren. Gleich zu Beginn des Wettbewerbs haben wir uns als Team drei Ziele gesetzt: Erstens, so viel wie m\u00f6glich zu lernen. Zweitens, tolle, gleichgesinnte Menschen kennenzulernen, und drittens, die erste Goldmedaille der Schweiz an der Internationalen Wirtschaftsolympiade<\/a> zu gewinnen.<\/p>\r\n Raphael (Mathematik):<\/strong> Es gibt keine optimale Strategie, um die Teilnehmenden anzuspornen, ohne sie zu \u00fcberfordern oder zu sehr zu belasten \u2013 das h\u00e4ngt vom jeweiligen Teilnehmenden ab. Manche sind von Natur aus gelassener, andere angespannter.<\/p>\r\n Mathys (Mathematik): <\/strong>F\u00fcr mich ist es am wichtigsten, da zu sein, falls sie individuelle Unterst\u00fctzung brauchen, insbesondere emotional. Da das Team aus sechs Teilnehmenden besteht, die ihre F\u00e4higkeiten das ganze Jahr \u00fcber unter Beweis gestellt haben, m\u00f6chte ich sicherstellen, dass sie sich dessen bewusst sind und dass sie die bestm\u00f6glichen Bedingungen haben, um ihr Ziel zu erreichen.<\/p>\r\n Maximilian: <\/strong>Ehrgeizige Ziele k\u00f6nnen einen unglaublichen Teamgeist schaffen und jedem etwas Spannendes geben, auf das er oder sie hinarbeiten kann. Gleichzeitig muss der Weg dorthin Spass machen. Wir haben daf\u00fcr gesorgt, dass es bei der Vorbereitung nicht nur ums Lernen und um die Leistung ging. Durch Spieleabende, Karaoke und einfach das Zusammensein wurden die Teilnehmenden enge Freunde, die sich gegenseitig unterst\u00fctzten. Letztendlich denke ich, dass das beste Umfeld hohe Ambitionen mit einer grossartigen Erfahrung verbindet.<\/p>\r\n Mathys:<\/strong> Ich bin dem Konzept des Wettbewerbs eigentlich ziemlich abgeneigt. Ich denke, es kann ein effizientes Mittel f\u00fcr die Teilnehmenden sein, Selbstvertrauen zu gewinnen, aber es ist sehr wichtig, es zu dekonstruieren und es nicht als Selbstzweck zu betrachten. Man muss darauf hinweisen, dass es bei der Wissenschafts-Olympiade (oder allgemeiner in der Wissenschaft) nicht darum geht, gegen andere anzutreten, sondern vielmehr darum, gegen sich selbst und die eigenen Hindernisse anzutreten und ein*e bessere*r Wissenschaftler*in zu werden \u2013 was auch immer \u00abbesser\u00bb bedeutet.<\/p>\r\n Raphael: <\/strong>Ganz im Gegenteil! Ich glaube, als Mathys<\/a> 2023 als erster Schweizer nach vielen Jahren wieder Gold gewonnen hat, hat das unseren Teilnehmenden gezeigt, was alles m\u00f6glich ist. Ohne dieses Vorbild h\u00e4tten sie vielleicht nicht so hart auf ihr Ziel gearbeitet, wie sie es getan haben. Nat\u00fcrlich kann es bei manchen, die ein bestimmtes Ziel anstreben, es aber nicht erreichen, zu Frustration kommen. Doch um dies zu vermeiden, sollten wir den Hype um unsere Erfolgsgeschichten nicht d\u00e4mpfen, sondern vielmehr die Einzigartigkeit dieser Leistungen hervorheben.<\/p>\r\n Mathys: <\/strong>Ich finde, die Wissenschafts-Olympiade schafft hier eine gute Balance. Der Hype ist f\u00fcr die Goldmedaillengewinner cool und bietet uns eine Plattform, um \u00fcber unsere Arbeit zu sprechen, aber es ist wichtig, dass sich nicht alles nur um die Goldmedaillengewinner dreht \u2013 zum Beispiel, indem man auch andere Teilnehmende interviewt.<\/p>\r\n Raphael:<\/strong> Nun, wie uns viele Geschichten aus unserer Kindheit gelehrt haben: Es geht nicht um den Schatz und das Gold, sondern um die Freunde, die wir auf dem Weg dorthin gewonnen haben. Ich denke, gleichgesinnte Freunde zu finden, ist besonders ermutigend f\u00fcr unsere jungen Mathematiker*innen, die sich zwar durch logisches Denken auszeichnen, aber manchmal nicht das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcren, sich auf Small Talk einzulassen. Es ist sicherlich einfach, sich mit Menschen anzufreunden, die die gleichen Interessen haben wie man selbst, und ich glaube, dies k\u00f6nnte f\u00fcr einige Teilnehmende ein Anstoss f\u00fcr ihr soziales Leben sein.<\/p>\r\n Jahresthema \u201cLook up!\u201d:<\/strong> Zu wem schauen wir auf? Was sehen wir, wenn wir nach oben schauen \u2013 vielleicht mithilfe eines Teleskops bei der neuen Astronomie-Olympiade? So wie ein Schiff anhand der Sterne seinen Weg findet, geben uns auch Vorbilder Orientierung. 2026 treffen wir inspirierende Menschen und mit jene, die von ihnen inspiriert wurden. Wir stellen F\u00f6rderangebote vor, an denen man sich ein Beispiel nehmen kann. Und wir richten den Blick zum Himmel. Abonniere jetzt den Newsletter<\/a> oder folge uns auf Instagra<\/a>m, um nichts zu verpassen! <\/p>","datetime":1785914280,"datetimeend":0,"newstype":1,"newstypetext":null,"links":"","subjects":["Freiwilligenarbeit"],"image":["https:\/\/volunteers.olympiad.ch\/fileadmin\/_processed_\/8\/f\/csm_20260719_100808510_iOS_18db55a5fd.png"],"link":"https:\/\/science.olympiad.ch\/news\/news\/double-double-gold-in-china","category":[{"uid":4,"title":"Verband"},{"uid":10,"title":"Mathematik"},{"uid":49,"title":"Wirtschaft"},{"uid":5,"title":"Startseite"}]},{"uid":5130,"title":"Die Gestaltung von Online-Pr\u00fcfungen im Zeitalter von KI: Was soll bewertet werden und wie?","teasertext":"Am 30. Mai 2026 bildeten sich Olympiaden-Freiwillige zum Thema KI und Pr\u00fcfungen weiter. Dr. Richard-Emmanuel Eastes stellte verschiedene M\u00f6glichkeiten vor, wie der Einsatz von KI bei Pr\u00fcfungen gesteuert werden kann. Anschliessend moderierte er die Diskussion mit den Freiwilligen.","short":"Am 30. Mai 2026 bildeten sich Olympiaden-Freiwillige zum Thema KI und Pr\u00fcfungen weiter. Dr. Richard-Emmanuel Eastes stellte verschiedene M\u00f6glichkeiten vor, wie der Einsatz von KI bei Pr\u00fcfungen gesteuert werden kann. Anschliessend moderierte er die Diskussion mit den Freiwilligen: Was wollen die Olympiaden bewerten? Wie wollen sie dabei vorgehen?","body":" Dieser Artikel fasst den Vortrag zusammen, der am 30. Mai 2026 in Lausanne gehalten wurde von Dr. Richard-Emmanuel Eastes. Die Folien k\u00f6nnen am Ende des Artikels heruntergeladen werden. Die Begriffe generative \u201ek\u00fcnstliche Intelligenz\u201c (KI) und \u201egrosse Sprachmodelle\u201c (LLM) werden synonym. <\/p>\r\n Eine allgemeine Herausforderung beim Einsatz von KI besteht darin, dass die digitale Kluft die soziale Kluft verst\u00e4rkt. Diese Kluft vertieft sich auf verschiedene Weise: <\/p>\r\n Dies stellt das Bildungssystem vor Herausforderungen: Es wird schwieriger, soziale Ungleichheiten abzubauen, und es besteht die Notwendigkeit, LLM in die digitalen Kompetenzen zu integrieren.<\/p>\r\n KI wird als Lernhilfe eingesetzt, beispielsweise zur Erstellung von Lernbl\u00e4ttern, Liedern oder Wiederholungsfragen. F\u00fcr Lehrkr\u00e4fte kann KI ein Werkzeug oder sogar ein Partner sein bei der Planung: Eine ehrenamtliche Lehrperson, die im Physik-Camp Unterricht gibt, kann mit Hilfe der KI Inhalte oder Fragen f\u00fcr die Teilnehmenden generieren. Die Lehrperson kann KI auch nutzen, um den Unterricht unter Ber\u00fccksichtigung spezifischer Kriterien wie des Wissensstands oder des Konzepts Universal Design for Learning<\/a> zu gestalten. Dr. Eastes betont, dass KI keine KI erkennen kann. Mit anderen Worten: Sie kann nicht zwischen menschlicher und maschineller Arbeit unterscheiden, egal ob diese perfekt oder unvollkommen ist. <\/p>\r\n Der Dozent stellt neun M\u00f6glichkeiten vor, wie man Pr\u00fcfungen gestalten und bewerten kann. Die ersten drei Ans\u00e4tze zielen darauf ab, die Nutzung von KI bei den Sch\u00fcler*innen zu kontrollieren, respektive sie zu verunm\u00f6glichen. Bei den Ans\u00e4tzen 4-6 bewertet die Lehrperson nicht die Anwendung von Wissen, sondern die F\u00e4higkeit der Sch\u00fcler*innen, Wissen oder Vorgehensweisen zu bewerten (siehe Blooms revidierte Taxonomie<\/a>). Bei den letzten drei Ans\u00e4tzen 7-9 ist die Nutzung von KI Teil der p\u00e4dagogischen Strategie.<\/p>\r\n Der Referent regte die Freiwilligen dazu an, Antworten zu finden auf folgende Fragen:<\/p>\r\n Ein wichtiger Begriff im Bildungswesen ist die \u201edidaktische Koh\u00e4renz\u201c. Damit ist die \u00dcbereinstimmung zwischen Lernzielen, Unterrichtsmethoden und Bewertungsmethoden gemeint. Dies f\u00f6rdert die Lernmotivation und das vertiefte Lernen der Sch\u00fcler*innen. Wenn KI zu den Lern- und Lehrmitteln geh\u00f6rt, m\u00fcssen die Lernziele und Bewertungsmethoden angepasst werden. Bewertungskriterien wie die Definition von Problemen, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI oder Kreativit\u00e4t k\u00f6nnen an Bedeutung gewinnen.<\/p>\r\n Der Referent schl\u00e4gt vor, zun\u00e4chst die Vision der Wissenschafts-Olympiaden zu er\u00f6rtern, bevor \u00fcber jegliche Form der Regulierung der KI diskutiert wird. Er l\u00e4dt die Freiwilligen ein, die drei folgenden Denkans\u00e4tze zu erkunden, sie zu kombinieren oder sich weitere vorzustellen:<\/p>\r\n Mehrere Freiwillige waren der Meinung, dass die Olympiaden eine gelungene Kombination aus der F\u00f6rderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und einem Rahmen bieten, in dem man seine Leidenschaft f\u00fcr die Wissenschaft teilen kann. <\/p>\r\n Die Gruppe diskutierte dar\u00fcber, nebst den Resultaten der 1. Rundenpr\u00fcfung weitere Kriterien f\u00fcr die Selektion der Jugendlichen hinzuzuf\u00fcgen, wie beispielsweise ein Motivationsschreiben\/Video der Sch\u00fcler*innen oder eine Empfehlung der Lehrperson. In Mathematik, Physik und Philosophie k\u00f6nnen Lehrpersonen bereits jetzt Sch\u00fcler*innen empfehlen, die sich nach dem 1. Test zwar nicht qualifiziert haben, jedoch Motivation und Potenzial zeigen. Umgekehrt ist es auch m\u00f6glich, qualifizierte Jugendliche, die aber nicht interessiert oder motiviert sind, aufzufordern, sich abzumelden und so Anderen weiter hinten in der Rangliste die Wettbewerbsteilnahme m\u00f6glich zu machen. Die Philosophie-Olympiade hat damit gute Erfahrungen gemacht. <\/p>\r\n Diese M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen die Diskussion \u00fcber die Rahmenbedingungen f\u00fcr den Einsatz von KI auf der Ebene des Verbandes Wissenschafts-Olympiade. Wie sehen die Regeln zum Einsatz von KI aus? Sollen die Motivation oder die Empfehlung neue Auswahlkriterien in der ersten Runde werden? Die Vereine und der WO-Vorstand werden sich weiter mit dem Thema befassen. <\/p>\r\n\r\n Zu den Folien auf Englisch<\/a> <\/p>\r\n Oregon State University (2024). Bloom\u2019s Taxonomy Revisited.<\/a><\/p>\r\nWie motiviert man die Teilnehmenden, ihr Bestes zu geben, ohne dass sie sich unter Druck gesetzt oder gestresst f\u00fchlen?<\/h2>\r\n
Glaubst du, dass Wettbewerb generell ein gutes Mittel ist, um Menschen zu ermutigen, sich weiterzuentwickeln?<\/h2>\r\n
Als Wissenschafts-Olympiade feiern wir Erfolge wie die Goldmedaillen eures Teams \u00f6ffentlich, zum Beispiel mit <\/span>Medienmitteilungen<\/span><\/a> oder Posts auf sozialen Medien. Hast du das Gef\u00fchl, dass dieser Hype um die Erfolgsgeschichten andere Teilnehmende entmutigen k\u00f6nnte?<\/span><\/h2>\r\n
Was sch\u00e4tzt du pers\u00f6nlich an deiner Olympiade, das nichts mit Medaillen zu tun hat?<\/span><\/h2>\r\n
Bildungsherausforderungen<\/span><\/h2>\r\n
Unterrichten mit KI<\/h2>\r\n
Lehrpersonen k\u00f6nnen sich auch daf\u00fcr entscheiden, auf die Lern- und Denkweise ihrer Sch\u00fcler*innen zu fokussieren und die KI zu diesem Zweck einzusetzen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist das Lesen der von den Sch\u00fcler*innen generierten <\/i>Eingabeaufforderungen (Prompts<\/i>). <\/p>\r\nBewerten im Zeitalter der KI<\/span><\/h2>\r\n
Lehren im Zeitalter der KI<\/span><\/h2>\r\n
Der Fall der Wissenschafts-Olympiaden<\/span><\/h2>\r\n
Diskussion und Ausblick<\/span><\/h2>\r\n
Links<\/span><\/h2>\r\n